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Zusammenfassung des Vortrags von Josef Wittmann am 18. April 2026                     

Unsere längste Dorfstraße hat den vielsagenden Namen „Alte Salzstraße“. Sie verläuft von der Ortseinfahrt von Beilngries her am Treffer Stadl vorbei über die Altmühlbrücke bis zum südlichen Dorfausgang in Richtung Amtmannsdorf.

bruecken vortrag 1 1 20260516 1470447270(Ehemalige steinerne Brücke von Kottingwörth)

Salzstraßen waren in früheren Jahrhunderten bedeutende Verkehrswege, da Salz schon immer lebenswichtig war und von den Gewinnungsorten zu den weit entfernten Verbrauchern transportiert werden musste. Gewöhnlich geschah dies in zwei Fässern auf je einem Pferderücken (sog. „Salzsäumer“ auf Saumpfaden zum Beispiel in unwegsamem Gelände im Gebirge) oder in mehreren Fässern auf schweren Wagen eben auf den sog. Salzstraßen, die im 17. /18. Jahrhundert nach französischem Vorbild zu hochwertigeren Chausseen ausgebaut wurden.

Warum führte eine dieser Salzstraßen im Mittelalter ausgerechnet durch Kottingwörth?

Einen Hinweis gibt die Nachsilbe „-wörth“, die so viel wie „Insel“ bedeutet und im Mittelalter mit „Werede“ oder „Werde“ bezeichnet wurde. „Werede“ taucht auch in einer Urkunde von 1080 als unser Ortsname auf (Kopie im Treppenhaus des Gemeinschaftshauses). Das ist die erste urkundliche Erwähnung unseres Dorfes. Es wird hier als einer der Grenzorte bei der Beschreibung des Wildbanns genannt, den die Bischöfe von Eichstätt vom deutschen König und späteren Kaiser Heinrich IV. verliehen bekamen.

Durch diese Insellage bestand in Kottingwörth seit alters her eine Furt, und zwar eine seichte Doppelfurt, weil sich hier die Wassermassen auf zwei Flussarme verteilten. Allein der Name „Wer(e)de“ signalisierte den (Fern-)Händlern eine vergleichsweise sichere Altmühl-Durchquerung -auch noch bei einem kleinen bis mittleren Hochwasser, bei dem eine Einzelfurt schon zu tief war. Salz durfte auf keinen Fall nass werden! Historiker haben dementsprechend herausgefunden, dass die ersten Brücken in Salzstraßen integriert waren. Furten – und natürlich die späteren Brücken – waren verkehrslenkend: Hier kam man überhaupt und noch dazu relativ sicher durch bzw. über einen Fluss.

Nicht unterschätzen darf man in diesem Zusammenhang den Hirloch-Einschnitt auf der sog. Winterleite, ein altes Trockental: Man musste mit einem schwer beladenen Fuhrwerk, nicht selten von mehr als zwei Pferden gezogen, auch möglichst sicher den Berghang hinauf-  bzw. hinunterkommen! Hier wurde der steil aufsteigende/abfallende Urdonau-Hang unterbrochen. Von Natur aus bot sich ein flacherer Anstieg/Abstieg an, der natürlich gerne genutzt wurde, wie die noch erhaltenen Fahrspuren bis heute zeigen. Man darf sicher davon ausgehen, dass schon die Kelten, von denen noch einige Hügelgräber auf der Anhöhe im Pirklach zu finden sind, diesen Handelsweg mit Flussdurchquerung genutzt haben.

(Beim Hochwasser im Jan. 2011 war die Insellage („Wörth“, früher „Wer(e)de“) deutlich zu sehen – zusammen mit dem Hirloch-Einschnitt und dem Sulztal ab Beilngries)

Doppelfurt und Hangeinschnitt ergänzten sich also gegenseitig und leiteten den Verlauf einer der Salzstraßen durch unser Dorf. Dieses gewann im Mittelalter dadurch an Bedeutung. Die günstige Lage mag auch mit ein Grund gewesen sein, warum gerade hier eine Urpfarrei eingerichtet wurde.

Im Mittelalter wussten nicht zuletzt die Nürnberger Fernkaufleute dieses „Angebot“ zu nutzen, da sie über das nahe Beilngries und das Sulztal schnell und bequem in den Nürnberger Großraum gelangten. Ihr „Navis“, die „Nürnberger Meilenscheibe“ von 1559 und der „Wegzeyger“ von 1613 zeigen das eindrucksvoll. Eine der Routen führte auf eben unserer Salzstraße durch Kottingwörth, dann bei Neustadt über die Donau weiter nach Landshut bis nach Reichenhall, wie die einzelnen genannten Stationen auf den „Navis“ beweisen. Großteils folgt die heutige B 299 dieser alten Salzstraße! Der Handelsweg reichte letztendlich bis nach Venedig, wo die Nürnberger einen Handelskontor (eine Handelsniederlassung) hatten.

Grundsätzlich ging die Entwicklung immer von der Furt zur Brücke – so auch in Kottingwörth. Daraus ergeben sich nun einige Fragen zu unserem Thema:

- Wann wurde in Kottingwörth anstelle der Furt die erste Brücke über die Altmühl gebaut?

- Aus welchem Material bestand sie: aus Holz, aus Stein oder aus einer Kombination von beiden?

- Wer hat den Brückenbau in Auftrag gegeben und finanziert?

- Warum wurde die steinerne Brücke 1929 abgerissen?

Die letzten beiden Fragen sind am leichtesten und sichersten zu beantworten. Als Auftraggeber kommt nur der Eichstätter Fürstbischof in Frage, auch wenn es dafür bisher keine konkreten Beweise gibt: Er musste den Brückenbau genehmigen, er musste ihn auch letztlich finanzieren, er allein war dazu in der Lage. Nach dem Aussterben der Grafen von Grögling/Hirschberg kam unser Dorf ab 1305 zum Machtbereich der Bischöfe von Eichstätt. Vorher ist an den Bau einer steinernen Brücke in einem kleinen Dorf nicht zu denken. Bischöfe waren damals in ihrem größeren Bistum die geistlichen Herren und in ihrem deutlich kleineren weltlichen Territorium die weltlichen Machthaber. Der Titel „Fürstbischof“ drückt diese Doppelrolle treffend aus.

Während der Bau unserer steinernen Brücke im historischen Dunkelbereich versteckt ist, wissen wir über deren Abriss 1929 im Zuge der sog. Altmühlkorrektion bestens Bescheid: Es gibt davon sogar Filmaufnahmen und mehrere Fotos mit Datumsangaben! Auf die Diskussionen über den Abriss der denkmalgeschützten steinernen Brücke sowie über eine Rettung des Kulturdenkmals durch einen Umbau, von dem sogar konkrete Pläne vorliegen, gehe ich später näher ein.

Am schwierigsten ist die Frage nach dem „Wann?“ zu lösen – wenn überhaupt. Schon die Gutachten zum Umbau/Abriss in den 1920er Jahren stellen fest, dass eine Brücke bereits vor 1588 bestanden haben muss, da hier in Dokumenten von nötigen Reparaturarbeiten die Rede ist. Ob diese aus Stein oder aus Holz oder aus einer Holz-/Steinkonstruktion bestand, wird aus den Schriftstücken nicht klar. Aber noch 1680 ist von Reparaturmaßnahmen mit Fichten- und Eichenholz die Rede. Also dürfte die Brücke im Mittelalter keinesfalls nur aus Stein gebaut gewesen sein – wenn es vor 1500 überhaupt schon eine Holzbrücke gab. Das Zollrecht über die Altmühl hatten von 1413 bis 1584 die Schenken von Töging inne, aber da steht nirgends etwas von einem Brückenzoll. Der konnte auch für das Durchqueren der Furt erhoben worden sein.

Aus Schriftstücken von 1723 und 1729 geht eindeutig hervor, dass die Brücke etwa zu zwei Dritteln aus Stein gebaut war, und zwar mit sieben Durchlassbögen vom Dorf aus gesehen. Das letzte Drittel bestand damals noch aus Holz mit dem letzten der bekanntlich insgesamt acht Bögen, der damals wieder einmal infolge eines großen Hochwassers mit Eisgang schwer beschädigt worden war. Überhaupt findet die Brücke immer dann in den Dokumenten Erwähnung, wenn nach Hochwasserschäden wieder einmal teure Reparaturen anstanden, deren Finanzierung geklärt werden musste.

Ein eindeutiger Hinweis auf eine gänzlich steinerne Brücke ist dann 1801 in der Abhandlung „Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken“ von Johann Kaspar Bundschuh zu finden. Hier heißt es unter anderem zu Kottingwörth: „Es liegt dieser Ort, durch welchen die Chaussee von Salzburg aus nach Nürnberg geht, 1 Stunde südöstlich unter Beilngries gegen Töging hinab, zwischen dem Amtmannstorfer und Atts- oder Artzsberge im Altmühlgrunde. Über diesen Fluss führt eine lange steinerne Brücke vom Dorfe aus an das ganz zügige Gesteig vor Amtmannstorf hin.

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(Ausschnitte aus dem BayernAtlas: Steinerne Brücke und jetzige Brücke im Lage- und Längenvergleich)

Hier wird zu Recht die Brückenlänge betont – immerhin rund 113 Meter – die heutige ist nur knapp 50 Meter lang (siehe obigen Vergleich mit dem BayernAtlas)! Das alles kann man im BayernAtlas bequem nachmessen. Man kann außerdem, indem man eine historische mit einer aktuellen Karte im gleichen Maßstab überlagert, optisch hervorheben, dass die steinerne Brücke einige Meter unterhalb der jetzigen platziert war. Als Anhaltspunkt kann die Brückenkapelle dienen: Selbst sie wäre noch etwas flussaufwärts der Brücke gestanden, also würde die alte Brücke mitten durch das überdachte Plateau der neuen Bootsanlege verlaufen!

Die Kapelle stand früher auf dem massivsten „Eisbrecher“ flussaufwärts außerhalb der schmalen Fahrbahn, wie Fotos eindeutig zeigen. Nach einem Schriftstück in unserer Dorfchronik von Andreas Ach soll sie dort 1710 errichtet worden sein (siehe anschließende Abbildung). Das erscheint durchaus glaubwürdig, da sie in den Amberger Archivakten von 1729 dort bestätigt wird. Mit dem Bau der zweiten Brücke, der Betonkonstruktion von 1929 wanderte sie an den rechten Rand der dorfseitigen Brückenauffahrt, bevor sie dann 1977 an ihren heutigen Standort versetzt wurde.
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Zurück zur Brücke selbst: Aus all diesen Erkenntnissen geht hervor, dass diese im Zeitraum von 1729 bis 1801 gänzlich aus Stein gebaut wurde. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass sie als Ganzes kein mittelalterliches Bauwerk aus Stein war, wie Andreas Ach in der vorliegenden Dorfchronik schreibt und im DONAUKURIER immer wieder zu lesen war.

Warum wurde das denkmalgeschützte imposante Bauwerk 1929 abgerissen? Selbst der Kottingwörther Gemeinderat wollte das „Schmuckstück“ nicht mehr haben und hat 1887 einen Abriss-Antrag gestellt! Zwei Gründe werden dafür genannt: Zum einen behindere die Brücke den Hochwasserabfluss, worunter das Dorf massiv zu leiden habe. Zum anderen entspreche ihre enge Fahrbahn nicht mehr den Verkehrsverhältnissen. So konnten zwei sich auf der Brücke begegnende Fuhrwerke nicht aneinander vorbeifahren, sondern mussten sich vorher verständigen. Die Begründungen waren keineswegs vorgeschoben, sondern real, wie zwei Beispiele zeigen sollen:

So veranschaulicht der Bericht von Andreas Ach in seiner Chronik die Enge der Fahrbahn, wenn auch erst im Jahr 1923. Die im Abstand von 8 Metern sich links und rechts befindlichen Radabweiser verschlimmerten das Problem noch: „Ein Lastauto fuhr von Dietfurt nach Wolfsbuch über diese Brücke. Dabei schleuderte der hintere Teil des Wagens von einem Randstein zum anderen. Die zwei Männer, die auf der Ladebrücke saßen, wurden so hin und her geworfen, daß sie sich das Rückgrat verletzten.“
Der zweite Grund war fast noch wichtiger: Schon 1815 war in einem staatlichen Überschwemmungsgutachten festgestellt worden, dass das Verhältnis Brückenpfeiler – Durchlassbögen zu einem Stau der Wassermassen führe, denn die massiven Eisbrecher nähmen von den 113 Metern zwei Drittel, die Bögen nur ein Drittel ein. So ist es nicht verwunderlich, dass 1893 der Vorschlag gemacht wurde, die Brücke umzubauen: Wie eine beigefügte Planskizze zeigt, sollte etwa in der Mitte aus drei Bögen zwei geformt werden, um einen Pfeiler einzusparen. Zugleich sollte in diesem Bereich die Fahrbahnbreite nahezu verdoppelt werden, damit Fuhrwerke aneinander vorbeifahren könnten. Dieser Plan stand nun im Raum, kam aber nicht zur Ausführung. Im März 1909 wurde er vom Kottingwörther Gemeinderat wieder aufgegriffen und ein entsprechender Umbau der Brücke beantragt. Ob man dadurch das Bauwerk retten wollte oder die Unterstützung für einen Brückenneubau inzwischen für aussichtslos hielt, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall war der Brückenumbauplan (nur 6 statt 8 Bögen plus deutliche mittige Fahrbahnverbreiterung) jetzt sauber ausgearbeitet. Er zeigt, dass die Kapelle ihren Platz in etwa behalten sollte.

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(Die drei Bögen rechts der Kapelle sollten wegen des besseren Hochwasserabflusses auf zwei reduziert werden; zugleich sollte in diesem Bereich die Fahrbahnbreite nahezu verdoppelt werden)

Das Verfahren zog sich hin, der Umbauplan taucht dann mit dem Beginn der Altmühlkorrektion in unserer Region am 16. Februar 1927 wieder auf. Jetzt war eine zügige Entscheidung angesagt! Aber nun traten auch die Denkmalschützer in die Entscheidungsarena. Ihr Argument: Die steinerne Brücke gehöre zu den Kunstdenkmälern Bayerns, wie der entsprechende Band des Amtsgerichtsbezirks Beilngries von 1908 mit Abbildung zeige. Schnell kommt es jetzt am 19. Februar 1927 zu einem Gutachten des Kulturbauamts Weißenburg. Im Hinblick auf einen Umbau werden „die größten Bedenken“ geäußert. Im Falle des geplanten Umbaus würde angesichts des maroden Zustands der Brücke „mit Ausnahme der beiden Auffahrtsrampen so gut wie nichts mehr übrig bleiben“. Andererseits sei das bestehende Bauwerk „durchaus verkehrsgefährlich“. Auch angesichts der hohen Umbaukosten sei von dieser Maßnahme abzusehen und stattdessen eine neue Brücke zu bevorzugen – trotz der Einstufung als geschütztes Baudenkmal.

So wird denn das Dokument am 28. Februar 1927 mit folgendem Zusatz ergänzt: „So sehr es aus schönheitlichen Gründen und aus Gründen der Denkmalpflege zu begrüßen wäre, wenn die alte Kottingwörther Brücke erhalten werden könnte, so wird doch zur dringend notwendigen Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Bau einer neuen Brücke sich wohl nicht umgehen lassen.“

Schönheit und Würdigung als Kulturdenkmal hatten also letztlich keine Chance gegen erforderliche Nützlichkeit und  Wirtschaftlichkeit.

Das Fallbeil war damit fast schon gefallen. Endgültig wurde das Schicksal unserer steinernen Brücke dann am 6. August 1927 besiegelt: „Antragsgemäß wird grundsätzlich genehmigt, dass die dem Denkmalschutze unterstellte Kottingwörther Brücke, deren Beseitigung zur Durchführung der Altmühlkorrektion Pappenheim-Dietfurt unbedingt erforderlich erscheint, durch eine vollständig neue Brücke ersetzt wird.“

Die Fotos vom Abriss im Jahr 1929 zeigen schon im Hintergrund, flussaufwärts versetzt,  die fertige neue Betonbrücke, die dann 1962 von der heutigen an gleicher Stelle abgelöst wurde. Auf einem Foto vom 6. November 1929 ist dann von der altehrwürdigen steinernen Brücke – neben der Pfarrkirche St. Vitus einst das zweite Wahrzeichen unseres Dorfes - nichts mehr zu sehen (siehe letztes Foto). Nur die überlieferten Fotos zeugen heute von ihrer Schönheit und Anziehungskraft.

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Franz Kafka: „Das eigentlich Charakteristische dieser Welt ist ihre Vergänglichkeit.“

                                                                                                                                                              Josef Wittmann am 10. Mai 2026