Brückensprengung_2Kottingwörther Brücke gesprengt

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Am 24. April 1945, einem Dienstag, hatte die Front des II. Weltkriegs in unserer Region die Altmühllinie fast erreicht. Schon einen Tag später konnten die Ortsbewohner beim Gang zur morgendlichen Messe den Kanonendonner hören, was Zeitzeugen unvergesslich geblieben ist. In Kottingwörth hatten SS-Soldaten den Auftrag, den nachdrängenden US-Einheiten die Flussüberquerung zu erschweren. An eine erfolgreiche Verteidigung konnte damals schon niemand mehr ernsthaft glauben. Trotzdem wurde am 24. April die Altmühlbrücke gesprengt.

 

Die Sprengsätze waren schon seit längerer Zeit angebracht worden, wie mehrere ältere Frauen und Männer übereinstimmend berichtet haben. Der Volkssturm hatte die Brücke zu bewachen. Sie erinnerten sich auch, dass die Ortsbewohner die Sprengung ihres einzigen Flussübergangs als völlig sinnlos ansahen, aber die SS hatte einen Termin vorgegeben und sich in Erwartung der US-Einheiten auf der Winterleite verschanzt. Von hier aus wollten die Verteidiger die angreifenden Amerikaner bei der Altmühlüberquerung unter Feuer nehmen.

Aber als die Sprengung am 24. April erfolgen sollte – übrigens etwa zeitgleich mit der Sprengung der Leisinger Brücke - war die Zündschnur durchtrennt. Sofort war von Sabotage der Einheimischen die Rede und von der Konsequenz „Der Volkssturm wird aufgehängt“, wie Zeitzeugen berichtet haben. Eine völlig unnötige menschliche Katastrophe drohte. Nur mit großer Mühe war der Anführer der SS-Einheiten davon abzubringen, erinnerte sich die im Dezember 2013 verstorbene Altmühlanwohnerin Luise Fuchs. Die durchtrennte Zündschnur wurde wieder verbunden und die Brücke somit doch gesprengt. Wenigstens war es zu keinen  Hinrichtungen gekommen.

Als die amerikanischen Soldaten dann am nächsten Tag, am 25. April 1945, von Kevenhüll her kommend, eingetroffen waren, holten sie nach der kampflosen Besetzung des Dorfes Holzbalken vom angrenzenden Merkl-Grundstück und reparierten unter Beschuss die auf der Innendorfseite nur eingeknickte Brücke notdürftig. Anschließend sollen sie auf ihr die Altmühl zunächst nur zu Fuß, nicht aber mit ihren Fahrzeugen überquert haben. In Kottingwörth selbst waren nach dem Abzug der Front ansonsten keine größeren Zerstörungen festzustellen, im Gegensatz zum viel stärker umkämpften Paulushofen.

Die durch die Sprengung stark beschädigte Brücke war noch gar nicht so alt. Sie war ab 1929 erbaut worden, nachdem die mittelalterliche steinerne Brücke im Zuge der damaligen Altmühlregulierung von 1927 bis 1929 abgerissen worden war. Das jahrhundertealte Bauwerk musste wegen seiner baulichen Mängel und als Abflusshindernis, die seine sechs Brückenpfeiler darstellten, weichen. Die heutige Brücke, die Anfang bis Mitte der 60er Jahre erbaut wurde, ist inzwischen also der dritte Kottingwörther Altmühlübergang. Die Schäden der Weltkriegsbrücke waren nur behelfsmäßig mit Holzbalken repariert worden, wie auf alten Fotos zu erkennen ist und wie Zeitzeugen berichten. Außerdem entsprach ihre Fahrbahnbreite nicht mehr den Anforderungen des modernen motorisierten Verkehrswesens. 

Das Schicksal der Kottingwörther Brücken hat die Brückenkapelle notgedrungen teilen müssen. Seit 1710 stand sie bekanntlich mitten auf der steinernen Brücke, bevor sie dann nach der Altmühlregulierung neben die Brückenauffahrt am Merkl-Anwesen versetzt wurde. Durch die Sprengung war sie weitgehend zerstört worden. 1947 wurde sie auf Betreiben des Dorfbewohners Michael Burkhardt am alten Standort wieder aufgebaut.

Heute steht die Kapelle jedoch auf der anderen Seite der Altmühlbrücke, und zwar seit 1977. Eine Abschrift der in das Gebäude eingemauerten Urkunde bezeugt, dass sie einem Gehweg weichen musste:

„Im Jahre 1977, dem letzten Jahr der Eigenständigkeit der politischen Gemeinde Kottingwörth – am 1. Mai 1978 erfolgt die Eingliederung in die Stadt Beilngries – wurde im Zuge eines Ausbaus von Gehwegen innerhalb der Ortschaft an der Nord/West-Seite der 1965 neu erbauten Brücke die Kapelle abgerissen und hier an der Süd/Ost-Seite wieder aufgebaut.

Der Bau wurde von der Firma Wein, Beilngries, ausgeführt, die auch den Auftrag für den Ausbau der Gehwege hatte.“

Ein interessantes Detail fehlt noch: das wunderschöne Gnadenbild von der immerwährenden Hilfe der Gottesmutter in der damaligen und heutigen Kapelle. Dieses war klugerweise vor der Sprengung der Brücke am 24. April 1945 in einer kleinen Prozession zur vorübergehenden sicheren Verwahrung ins Pfarrhaus gebracht worden. Bis heute bringt die Inschrift am unteren Rand des Bildes die Bitte der Dorfbewohner um Schutz der Gottesmutter vor vielerlei Gefahren zum Ausdruck – auch vor Kriegsgefahren.   

Fotos:

  • Postkarte vom Frühling 1940 mit intakter Kottingwörther Brücke und Kapelle auf der Innendorfseite + Foto-Ausschnitt
  • Foto vom 20. März 1949 mit notdürftig reparierter Brücke und wieder aufgebauter Kapelle; auf der gegenüberliegenden Seite das Fuchs-Wohnhaus
  • Gnadenbild in der Brückenkapelle - damals und heute
   
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