Fronleichnam 18_1

Letzte Maiandacht vor Waldkapelle mit wechselvoller Geschichte

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Bei hochsommerlichen Temperaturen besuchten am frühen Donnerstagnachmittag etwa 40 Gläubige der Pfarrei Kottingwörth, einschließlich der beiden festlich gekleideten Kommunionkinder, die letzte Maiandacht an der Waldkapelle auf dem Bergl. Die feierliche Andacht wurde von Johanna Karch musikalisch umrahmt. Kaplan Christof Schaum bezeichnete Maria als die neue Eva, die auf Gottes Wort gehört habe und laut dem Dogma von Papst Pius XII. (1950) mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden sei – ein Zeichen der Hoffnung für alle Christen auf das ewige Leben. Nach der Andacht lud der Pfarrgemeinderat noch zu einem Beisammensein bei Kaffee, Kuchen und Maibowle ein. Trotz bald zu vernehmendem drohenden Donnergrollens eines nahenden Gewitters wurde das Angebot gerne angenommen.

 

Maiandachten und Prozessionen vor bzw. zur Waldkapelle haben in der Pfarrei Kottingwörth eine lange Tradition. Der frühere Dorfchronist Willibald Betz hat festgehalten, dass Pfarrer Johann Ritter, der von 1946 bis 1950 die Pfarrei leitete, einmal im Jahr „am Frauentag“ eine Prozession zur Kapelle anführte. Damals befand sich in ihrer Nische noch eine Holztafel mit einem Bild, das den Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth darstellte. Damit erklärt sich auch der früher gebräuchliche Name „Waldkapelle Maria Heimsuchung“. Dieses Bild war dann plötzlich  - bis heute - verschwunden. Ein Foto von 1986 zeigt eine leere Kapellennische.

Willibald Betz berichtet auch, dass seit der Zeit von Pfarrer Reinhard Pasel (1990 bis 2003) die Kopie der russischen Ikone „Betende Jungfrau“ die Kapellennische schmückt. Diese wurde der Pfarrei 1989 von Schwester Therese Maria Müller aus Kottingwörth von der Kongregation der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter zu Abenberg – auch als „Grafen-Zenzi“ in Erinnerung -  gestiftet und 1992 in die Nische eingefügt. Damit die Ikone nicht ebenfalls „verschwindet“, wurde vor der Nische ein Eisengitter montiert. Wie aber von der Familie Schuster, die sich seither um die Waldkapelle liebevoll  kümmert, zu erfahren war, hat auch das noch nicht ganz genügt: „Wir mussten auch noch eine Glasscheibe anbringen, weil Eichkätzchen immer wieder in die Nische eingedrungen sind und die Kerzen zusammengebissen haben.“ In mühevoller Kleinarbeit haben Familienmitglieder auch Steine aus der Umgebung der Kapelle aufgesammelt und ein Podest vor ihr errichtet, um das abschüssige Gelände auszugleichen. Eine Bank lädt zum besinnlichen Verweilen in der Naturidylle ein.

Wann genau und aus welchem Anlass die Kapelle ursprünglich erbaut wurde, konnte bisher nicht ermittelt werden. Willibald Betz gibt als früherer Dorfchronist den einstigen Waldbesitzer, den „Brennerbauern“, an, dem einst einer der zwei Meierhöfe in Kottingwörth gehörte. Jahrelang war die Kapelle laut Betz und den Erinnerungen von Dorfbewohnern völlig ignoriert worden. Nur im Marienmonat Mai wurde gerne ein Strauß Feldblumen in der Nische abgelegt. Die idyllisch gelegene Waldkapelle ist sicherlich nicht nur bei Andachten, sondern das ganze Jahr über nicht nur für Gläubige einen Besuch mit längerer Verweildauer wert, um die Alltagssorgen vergessen und wieder etwas zur Ruhe kommen zu können.

   
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